Viagra ist zehn Jahre in Deutschland und Österreich auf dem Markt
Nach zehn Jahren und zahlreichen Horrorprophezeiungen ziehen Experten eine insgesamt positive Bilanz.
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Als Viagra im Oktober 1998 auf den deutschen und österreichischen Markt kam, waren die Befürchtungen groß. Skeptiker beschworen die Gefahr von grassierendem "Hauruck-Sex" oder einer mechanisierten körperlichen Liebe. "Damals hörten viele schon das Todesglöckchen der Erotik läuten", erinnert sich Uwe Hartmann von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). "Die Horrorvisionen haben sich nicht bestätigt", so der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie.
Positive Bilanz. Rückblickend ziehen Mediziner ebenso wie Psychologen und Sozialwissenschafter eine insgesamt positive Bilanz - und verweisen auf die Situation vor Einführung des Mittels. Damals gab es für Männer mit Erektionsstörungen wenig Hoffnung.
Alternativen. Manche griffen in ihrer Verzweiflung auf abenteuerliche Apparaturen zurück. Aber das Hantieren mit einer Vakuumpumpe oder die Injektion eines Potenzmittels in den Schwellkörper sind der intimen Stimmung vor dem Sex nicht gerade zuträglich. "Das war für viele Männer eine grauenvolle Qual", sagt Jakob Pastötter von der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung. "Denen erschien Viagra wie vom Himmel gesandt."
So funktionierts. Im Gegensatz zu früheren Hilfsmitteln führen die sogenannten PDE-5-Hemmer - neben Viagra auch die Folgepräparate Cialis und Levitra - nicht zwangsläufig zu einer Erektion, sondern nur bei einer Stimulierung. Dann wird im Schwellkörper der Botenstoff cGMP freigesetzt, der für eine Erektion unabdingbar ist. Viagra und ähnliche Präparate hemmen das Enzym PDE-5, das diesen Botenstoff abbaut, und halten ihn dadurch über dem für eine Erektion erforderlichen Schwellenwert.
Thema. Aber Viagra revolutionierte nicht nur die Therapie der erektilen Dysfunktion, sondern das Mittel löste auch das gesellschaftliche Tabu um das bis dahin meist verschämt verschwiegene Thema. "Es ist heute einfacher, über Erektionsstörungen zu reden", sagt Hartmann. "Mehr Menschen wissen, dass sie sich mit dem Problem nicht abfinden müssen, und suchen professionelle Hilfe." |
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